KBV

Norbert Erdmann, Vorsitz Kirchenbevollmächtige (KBV)
Telefon +358 50 532 1975‬
E–Mail kbv@deutschegemeinde.fi

Mitglieder der Gremien und KBV

Gremien

Kirchenbevollmächtigtenversammlung (KBV)
Kirchenrat (KR)
Finanzausschuss (FA)
Wahlausschuss
Kindergartendirektion
Kirchenmusikalischer Ausschuss
Bauausschuss
Diakonievorstand
DSWH–Geschäftsleitung
DSWH–Fondsvorstand
Kapellenrat Turku (Åbo)

Die Tageslosung
File not found: /home2/int46365/public_html/wp-content/uploads/losungen2026.xml

Die diesjärige Datei mit den Losungen konnte nicht gefunden werden. Weitere Infos in der ReadMe.md des Plugins.


Predigt zu Matthäus 26, 36–46 am Sonntag Reminiszere, 13. März 2022 in Munkkiniemi und Tampere

Stilles Friedensgebet…

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,

jeden Tag um 12 Uhr beten wir für den Frieden. In der Deutschen Kirche kommen wir zusammen. Und ich weiß aus anderen Städten, dass dort Gemeindeglieder auch um 12 Uhr beten, bei sich zu Hause. Ich weiß dass aus Telefongesprächen — Menschen erzählen mir davon, wie schwer ihnen das jetzt fällt, für den Frieden in der Ukraine zu beten. Sie erzählen von einem Bedürfnis danach, zu beten und an die Menschen in der Ukraine zu denken. Und sie erzählen gleichzeitig, wie schwer ihnen das fällt. Wie sehr sie das Gefühl haben, dass ihr Gebet in einem großen Schweigen nachhallt, wie in einer großen leeren Kirche. Ist Gott gegenwärtig?

Ich lese uns den Predigtabschnitt für diesen Sonntag aus dem Matthäusevangelium im 26. Kapitel:

Jesus kam mit seinen Jüngern zu einem Garten, der Gethsemani hieß.

Dort sagte er zu seinen Jüngern: „Bleibt hier sitzen. Ich gehe dort hinüber und bete.“

Er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit. Plötzlich wurde er sehr traurig, und Angst überfiel ihn. Da sagte er zu ihnen: „Ich bin verzweifelt und voller Todesangst. Wartet hier und wacht mit mir.“

Jesus selbst ging noch ein paar Schritte weiter. Dort warf er sich zu Boden und betete:

„Mein Vater, wenn es möglich ist, dann erspare es mir, diesen Becher auszutrinken!Aber nicht das, was ich will, soll geschehen — sondern das, was du willst!“

Jesus kam zu den drei Jüngern zurück und sah, dass sie eingeschlafen waren. Da sagte er zu Petrus: „Könnt ihr nicht diese eine Stunde mit mir wach bleiben? Bleibt wach und betet, damit ihr die kommende Prüfung besteht! Der Geist ist willig, aber die menschliche Natur ist schwach.“

Dann ging er ein zweites Mal einige Schritte weg und betete: „Mein Vater, wenn es nicht anders möglich ist, dann trinke ich diesen Becher. Es soll geschehen, was du willst.“

Als er zurückkam, sah er, dass seine Jünger wieder eingeschlafen waren. Die Augen waren ihnen zugefallen. Jesus ließ sie schlafen.

Wieder ging er weg und betete ein drittes Mal mit den gleichen Worten wie vorher. Dann ging er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen: „Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Seht: die Stunde ist da! Jetzt wird der Menschensohn in die Hände der Sünder ausgeliefert. Steht auf, wir wollen gehen. Seht: Der mich verrät, ist schon da!“

Gott segne uns durch sein Wort!

Liebe Schwestern und Brüder,

allein mit seiner Angst ist Jesus dort im Garten. Und er betet. In den Straßen der Stadt fahndet die Tempelpolizei nach ihm. Jesus weicht aus — steigt in’s Kidrontal hinab und geht zum Ölberg hinüber. Dort ist ein Grundstück, Gethsemani genannt. Das bedeutet „Ölkelter“. Solch eine „Ölpresse“ wird wohl auf dem Grundstück gestanden haben. Ist dieser Garten ein Versteck? Oder sucht Jesus gerade diese Kelterstelle auf?
In den Psalmen ist die Kelter ein Symbol für das Leiden, das Israel im Exil durchlebt hat — in der Israel neu die Nähe Gottes gefunden hat, gerade durch das Leid der Exilszeit hindurch. Durch das Leiden eines Krieges und der Verschleppung in ein anderes Land hindurch, gewinnt Israel neu die Beziehung zu Gott, erfährt Israel neu die Nähe Gottes. Das ist die wichtige Erfahrung der Exilszeit gewesen. Und dafür steht das Symbol der Kelter, durch die Israel gegangen ist — die äußerste Bedrückung, aus der neu die Beziehung zu Gott entstanden ist. Diese Erfahrung halten die Psalmen fest. — Sucht Jesus gerade die Kelterstelle auf, um sich an diesen Gedanken zu halten? Sucht Jesus gerade diese Kelterstelle auf, um Halt zu finden in der Angst, die ihn befällt?

Worte der Psalmen greift Jesus auf: „Meine Seele ist betrübt bis in den Tod. Bleibt hier und wacht mir mir.“ Mit diesen Worten lässt er seine Jünger zurück und geht tiefer in den Garten hinein. Petrus, Jakobus und Johannes bittet er, noch ein Stück mitzukommen. Das sind die drei, die ihn auch auf den Berg der Verklärung begleitet hatten. Ist das wie ein Anruf an Gott: Komm uns noch einmal so nahe, wie du uns dort auf dem Berg nahe gewesen bist!?

Jesus sucht Gottes Nähe. Er sucht Gott in seiner Angst. Ja, Jesus hat Angst und das ist einfach menschlich.

Wie kaum ein anderer Text unserer Bibel bringt unser Predigtabschnitt uns den Menschen Jesus ben Joseph nahe. Ein verzweifelter Mensch, der ein unentrinnbares Schicksal vor sich sieht.

„Mein Vater, wenn es möglich ist, dann erspare es mir, diesen Becher auszutrinken Aber nicht das, was ich will, soll geschehen — sondern das, was du willst!“

Jesus sucht Gottes Nähe. Die Anrede „Vater“ voller Vertrauen, so wie er es seinen Jüngern im Vaterunser gezeigt hatte. „Vater, wenn es möglich ist, dann erspare es mir, diesen Becher zu trinken.“ Diesen Becher, von dem die Propheten des Alten Testamentes geredet haben — diesen bitteren Becher voll der Konsequenz einer verlorenen Beziehung zu Gott. Dieser Becher stand für all das, was vor dem Krieg geschehen war, aus dem Israel in das Exil verschleppt worden ist.

„Wenn es möglich ist“ — drei Mal betet Jesus zu seinem Vater. Aber nur in diesem ersten Gebet bringt der die Vage Frage vor Gott, ob es denn möglich sei, diesen Becher auszulassen, die Konsequenzen einer verlorenen Beziehung zu Gott zu umgehen, zu überspringen. Es ist nicht möglich. Diese Einsicht gewinnt Jesus in seinem Gebet zu Gott.

Ja, es ist auch für Jesus ein Gebet in ein großes Schweigen hinein. Nichts ist zu hören von einer Antwort Gottes, nichts ist zu spüren von einer Nähe des Vaters. Aber dennoch gewinnt Jesus die Einsicht, die ihn durch die kommenden Stunden bis zur Kreuzigung nicht mehr verlässt: Es ist nicht möglich, diesen bitteren Becher auszulassen. Obwohl es nicht der eigene Becher ist — voll der verfehlten Gottesbeziehung der Menschen. Es ist der Becher, den Jesus stellvertretend trinkt für uns Menschen. Weil wir die Konsequenzen unserer verlorenen Beziehung zu Gott nicht mehr tragen könnten.

Jesus betet zu seinem Vater und findet sich hinein in den rätselhaften Willen Gottes: „Dein Wille geschehe.“ Diese Bitte hatte er seine Jünger im Vaterunser gelehrt — nun spricht er sie selber für sich: „Dein Wille, Vater, soll geschehen. Obwohl er so rätselhaft ist. Ich vertraue Dir, Vater, ich vertraue darauf, dass Dein Wille sinnvoll ist.“

Ich meine, dass das für uns jetzt zu lernen ist: Unser Beten um Frieden ist wie ein Beten in eine große Stille hinein. Wie das Beten ist einer großen leeren Kirche. Ist Gott da?

Aber es ist ein Beten, in dem wir uns in den Willen Gottes einfinden. In Gottes Willen zum Frieden. Niemals könnte ich glauben, dass der Krieg in der Ukraine irgendetwas mit Gottes Willen zu tun hat. Er ist gegen Gottes Willen. Er füllt diesen bitteren Becher wieder nach mit den Konsequenzen einer verlorenen Beziehung zu Gott.

Wir finden uns mit unserem Beten in den Willen Gottes hinein — in Gottes Willen zum Frieden. Das geschieht, wenn wir uns mittags um 12 in der Kirche treffen oder zu Hause mitbeten für den Frieden. Das geschieht dabei, dass wir spüren: nicht unser Wille setzt das Maß, nicht unsere Wünsche setzen das Ziel. Das geschieht dabei, dass wir erfahren: Der Weg aus der Angst ist der, den Willen Gottes zu wollen, statt unseres eigenen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als unsre Vernunft, der halte unsern Verstand wach und unsre Hoffnung groß, und stärke unsre Liebe.
Amen.

 

 


— Predigt zu Matthäus 26, 36–46 am Sonntag Reminiszere, dem 13. März 2022 von Pastor Hans–Christian Beutel in Munkkiniemi und Tampere.


Reisepastor der Gemeinde